Digitale Agenda

Kongress "Digitising Europe"

Industrie 4.0: Europa muss aufholen

Die Verschmelzung der digitalen mit der industriellen Welt - Stichwort Industrie 4.0. - ist die große Herausforderung für Europa. Das sagte Kanzlerin Merkel in Berlin. Europa sei bei Chips und Suchmaschinen zurückgefallen und müsse dies dringend ausgleichen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht auf dem Digitising Europe Summit. Merkel sieht die Digitalisierung als Chance für den Arbeitsmarkt. Foto: Bundesregierung/Bergmann

Gerade Deutschland mit 20 Prozent Wertschöpfungsanteil durch die Industrie sei besonders gefordert. Rahmenbedingungen für innovative Produkte müssten verbessert werden, so Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Rede. Sie kritisierte die mangelnde deutsche Kultur für Wagniskapital. Die Bundesregierung habe nun die Absicht, steuerliche Vorteile für Wagniskapital zu gewähren. Diese müssten allerdings auf europäischer Ebene abgestimmt werden, damit sie nicht als unzulässige Beihilfen abgelehnt würden.

Digitale Agenda setzt Anreize

Die Kanzlerin verwies auf die von der Bundesregierung beschlossene Digitale Agenda. Sie solle die technischen Bedingungen und den rechtlichen Rahmen für die weitere Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft schaffen. Mit dem jährlichen IT-Gipfel sei eine neue effiziente Form der Kooperation zwischen Politik und Wirtschaft entstanden.

Internationale Zusammenarbeit tut Not

Da die Digitalisierung eine internationale Entwicklung sei, komme dem Europäischen Binnenmarkt eine zentrale Bedeutung zu. Merkel verwies in diesem Zusammenhang auf das in der Beratung befindlich Telekommunikationspaket der EU und die Datenschutzgrundverordnung.  Wichtig sei es, ein "freies und innovationsfreundliches Internet mit sicherer Datenübertragung" zu entwickeln. Die sei besonders wichtig für Spezialdienstleistungen wie zum Beispiel in der Telemedizin. Europa habe eine hohe Sensibilität bei der Datennutzung. Das dürfe aber nicht zu einer Antihaltung führen. Vielmehr müssten "Chancen und Risiken gleichermaßen betrachtet werden."

Job-Motor Digitalisierung

Merkel hob die Bedeutung von Bildung für das Wachstum in Europa hervor: "Das beginnt sehr früh, das beginnt in den Schulen und das muss fortgesetzt werden. Auf jeden Fall erfordert eine Prosperität Europas eine positive Einstellung zu den technischen Möglichkeiten der digitalen Welt, denn hier werden weit mehr Jobs entstehen als Jobs wegfallen durch Digitalisierung in der klassischen Wirtschaft." Diese optimistische Herangehensweise zu fördern sei immens wichtig.

Kein Wohlstand ohne Forschung

"Für all das wird Forschung eine zentrale Rolle spielen", sagte Merkel mit Blick auf die Fortschritte der Digitalisierung. Die Bundesregierung  habe seine Ausgaben für Forschung seit 2005 bereits um 60 Prozent gesteigert: "Wir sind jetzt nahe an dem Ziel, drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Forschung in Deutschland für Forschung auszugeben." Zwei Drittel davon trage die Wirtschaft, ein Drittel die Politik.

Herausforderungen für die Industrie

"Wir werden diesen Kurs fortsetzen", kündigte Merkel an.  Das Thema "Industrie 4.0" spiele bei den Forschungsanstrengungen eine große Rolle. Deutschland werde auch darauf drängen, mit dem europäischen Forschungsprogramm Horizon 2020 hierfür einen erheblichen Schwerpunkt zu setzen. Die Wachstumsschwäche Europas solle so schrittweise wieder in eine wachstumsfreudige Phase eintreten.

Ziel des Kongresses Digitising European Summit ist es, die Voraussetzungen für einen digitalen Aufschwung in Europa zu erörtern und jungen Europäern neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen. Veranstalter ist das Vodafone Institut für Gesellschaft und Kommunikation.

Donnerstag, 4. Dezember 2014

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