Digitale Agenda

Medizininformatik-Initiative

Datenaustausch für bessere Therapien

Erkrankten Menschen könnte schneller und wirkungsvoller geholfen werden, wenn der behandelnde Arzt Zugriff auf eine Vielzahl von Daten und Erkenntnissen zu ähnlich gelagerten Fällen hätte. Mit der Medizininformatik-Initiative will die Bundesregierung langfristig allen Medizinern diese Möglichkeit eröffnen.

Ziel der Medizininformatik-Initiative ist es, die wachsenden Datenschätze in einer nationalen Infrastruktur zu verknüpfen, um daraus neues Wissen für eine bessere Gesundheitsforschung und Versorgung zu gewinnen.

Daten und Bilder vergleichbar machen

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka machte den Nutzen am Beispiel seltener Erkrankungen deutlich: Wird eine solche Krankheit erkannt oder vermutet, so wäre es sehr hilfreich, wenn der Arzt sich über diagnostische und therapeutische Erfahrungen und Forschungsergebnisse aus Deutschland und anderen europäischen Ländern schnell im Netz informieren könnte. Bisher muss er auf Lehrbücher oder das Internet zurückgreifen oder Kollegen anrufen.

Ähnlich sieht es aus mit Hirntumor-Erkrankungen: Nützlich wäre es, wenn die Röntgenaufnahme eines Patienten mit Aufnahmen anderer Patienten verglichen werden könnten. Zudem ließe sich aus dem Verhandlungsverlauf der Vergleichsfälle ersehen, wie erfolgreich unterschiedliche Therapien waren.

Zwar sind Ärzte und Forscher weltweit vernetzt. Täglich generieren sie neue Daten und Informationen. Doch bisher gleicht die digitale Medizin einem Internet ohne Suchmaschinen: Eine gewaltige Menge an Informationen, die sich kaum erschließen oder nutzen lässt.

Strengster Datenschutz

Zudem ist ein heikler Punkt, wie die Patientendaten bestmöglich geschützt werden können. Klar ist, dass die Daten Eigentum des Patientinnen und Patienten sind und nur mit Zustimmung oder strengster Anonymisierung verwendet werden können.

Langfristiges Ziel ist der Aufbau einer digitalen Patientenakte. Auf diese ging auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Video-Podcast ein und betonte, dass man als Patient genau überprüfen könne, wer jemals an der Akte war. "Und es hat auch den Vorteil, dass ich praktisch 'datensparsam' leben kann, denn alles, was schon einmal erhoben ist, muss dann nicht wieder von neuem erhoben werden."

Zunächst vier Konsortien

Beraten von einem international hochkarätig besetzten Expertenkreis hat das Bundesforschungsministerium jetzt entschieden, vier Konsortien in die vierjährige Aufbau- und Vernetzungsphase der Medizininformatik-Initiative aufzunehmen. Sie bestehen aus 17 Universitätskliniken und rund 40 weiteren Partnern. Hierfür stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung rund 120 Millionen Euro in den nächsten vier Jahren zur Verfügung. Weitere 30 Millionen Euro fließen an die nicht an den ausgewählten Konsortien beteiligten Universitätskliniken.

"Wir wollen damit bundesweit einen Schub auslösen", sagte Wanka, "und mittelfristig eine national vernetzte Dateninfrastruktur zu entwickeln, wo möglichst die Anschlussfähig gegeben ist".

Konkret wird es in den Zusammenschlüssen von Kliniken um folgende Schwerpunkte gehen:

-DIFUTURE harmonisiert, integriert und analysiert Daten zu Krankheitsverläufen zunächst für neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson sowie für Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

-MICARUM wird Daten der bildgebenden Diagnostik sowie aus genetischen und molekularen Untersuchungen analysieren und vergleichbar machen, um gezieltere Therapien zu ermöglichen.

-HiGHmed befasst sich mit dem Auf- und Ausbau von Datenintegrationszentren an allen Universitätskliniken und Partnerzentren. Ziel ist es, durch neue medizininformatische Lösungen und einen übergreifenden Datenaustausch die Forschung und Versorgung zu verbessern.

-SMITH will an konkreten Anwendungsfällen auf dem Feld der Intensivmedizin und für Antibiotikaresistenzen demonstrieren, wie sich durch innovative datenanalytische Methoden Versorgungsabläufe verbessern lassen.

Montag, 10. Juli 2017