Digitale Agenda

Engagiert im Alter

Digital verbindet

Immer gut vernetzt: Walburga Bannwarth-Pabst programmiert Webseiten für soziale Einrichtungen und leitet Computerkurse für Geflüchtete. Für ihr digitales Engagement hat die 67-jährige Seniorin den Goldenen Internetpreis 2016 erhalten.

Walburga Bannwarth-Pabst am ihrem Arbeitsplatz Walburga Bannwarth-Pabsts Arbeitsplatz: Von hier aus engagiert sie sich im Internet. Foto: Christoph Bannwarth

"Banane" spricht sich noch ganz leicht. Aber die Aussprache von "Pfifferling" und "Apfelsine" kann für arabische Zungen durchaus eine Herausforderung sein. Walburga Bannwarth-Pabst steht in der Gemüseabteilung im Supermarkt. Mit den acht syrischen Frauen ihres Sprachkurses versucht sie sich an den deutschen Vokabeln für Obst.

"Am praktischen Beispiel zu lernen ist immer einfacher als nur vor Büchern in Klassenzimmern", sagt die 67-jährige Rentnerin aus Frechen bei Köln. Ganz selbstverständlich nutzen sie alle zur schnellen Übersetzung von Vokabeln die Internetsuchmaschine - am Computer im Schulungsraum oder mobil mit dem Smartphone. "Gute Wörterbücher sind teuer. Wir besitzen nur eines für den gesamten Kurs", erklärt Bannwarth-Pabst.

Seniorin mit IT-Leidenschaft

Für die pensionierte Oberstudienrätin ist der tägliche Umgang mit dem Internet ganz selbstverständlich. Seit Kindestagen interessiert sie sich für technische Entwicklungen; später auch für das Internet. Schon während ihrer Zeit als Lehrerin war sie viele Jahre Webmaster der Homepage ihrer Schule. "Meinen ersten Kontakt mit Programmiersprache hatte ich schon in den 1960er Jahren mit der Lochkarten-Programmierung."

Seit ihrer krankheitsbedingten Frühpensionierung 2009 fokussiert sich Bannwarth-Pabst noch mehr auf ihre IT-Leidenschaft. "Ich bin nicht mit Frust in die Rente gegangen, sondern mit dem Wissen, dass ich jetzt noch vieles anderes machen kann", sagt sie heute. Seitdem erstellte Bannwarth-Pabst beispielsweise mit Schülern einen digitalen Baumlehrpfad mit QR-Codes im Burgpark Hürth-Hermülheim. Hält ein Spaziergänger sein Smartphone auf eines dieser quadratischen Zeichen, kann er Informationen über die Bäume abrufen. Ihre Leidenschaft fürs Digitale verbindet die Seniorin nicht nur mit der Natur, sondern auch immer mehr mit sozialen Themen. So entwickelte sie Webseiten für soziale Einrichtungen in der Region: den Kinderschutzbund und das Flüchtlingsnetzwerk.

Auszeichnung für digitales Engagement

Goldener Internetpreis Walburga Bannwarth-Pabst hat den Goldenen Internetpreis 2016 in der Kategorie "Soziales Engagement" erhalten. Foto: Dagmar Stratenschulte

Für ihren Einsatz hat Walburga Bannwarth-Pabst vor wenigen Monaten in Berlin den Goldenen Internetpreis 2016 in der Kategorie "Soziales Engagement" entgegengenommen. Die Auszeichnung erhalten Menschen über 60 Jahre, die sich versiert in der digitalen Welt bewegen und die neuen Medien beispielhaft einsetzen. "Frau Bannwarth-Pabst bildet sich stets weiter, um ihre Kenntnisse in den Dienst anderer zu stellen. Diese Selbstlosigkeit ist nicht selbstverständlich", so Jurymitglied Ursel Ilgner.

Bannwarth-Pabst selbst übt sich in Bescheidenheit: "Bei der Preisverleihung habe ich die anderen Nominierten kennengelernt, das waren wirklich faszinierende Leute. Da gab es zum Beispiel ein sehbehindertes Ehepaar, das anderen Sehbehinderten beim Umgang mit dem Internet hilft. Ich verstehe gar nicht, dass die nicht den ersten Preis bekommen haben." Ungeachtet dessen ist es Bannwarth-Pabst ein Anliegen, ihrer Generation das Internet näherzubringen. Regelmäßig gibt sie auf Veranstaltungen ihre Kenntnisse an Senioren weiter.

Webbasierte Sprachkurse helfen bei Integration

Dass das Internet ein wertvoller Helfer für Kommunikation sein kann, merkt Bannwarth-Pabst nicht zuletzt in ihren Sprachkursen für geflüchtete Frauen. "Es gibt ja schon einige gute Selbstlernkurse im Netz", sagt sie. Doch selbst wenn man bereits Englischkenntnisse und digitales Vorwissen aus seinem Heimatland mitgebracht habe, gelinge die eigenständige Nutzung anfangs nur mit Hilfe bei den komplizierten Anleitungen.

Für viele geflüchtete Menschen aus Syrien oder Afghanistan sind allein schon lateinische Zeichen völliges Neuland. "Selbst unsere Zahlen, die ja eigentlich arabischen Ursprungs sind, kannten sie nicht", erklärt Bannwarth-Pabst. Da fängt die Sprachhilfe ganz klein an. "Zunächst einmal ging es ums Alphabetisieren", sagt sie. Bei ihrem derzeitigen Kurs klappe das Lesen schon einigermaßen: "Aber der Weg zum Sprechen und Schreiben ist lang." Auch der Umgang mit der deutschen Tastatur sei mühsam.

Den deutschen Alltag näher bringen

Zugleich versucht Bannwarth-Pabst, den Neuangekommenen die Integration zu erleichtern. Sie bringt ihnen den deutschen Alltag näher, im Klassenzimmer und im Supermarkt. Dabei entstehen auch Situationen, für die Bannwarth-Pabst kein Internet braucht. In der Obstabteilung im Supermarkt beobachtet eine Frau fasziniert den ungewöhnlichen Sprachkurs um Bannwarth-Pabst und die syrischen Geflüchteten. Hinter der Kasse wartet sie später auf die Gruppe und kauft jedem der Kursteilnehmerinnen einen Riegel Schokolade.

Interesse und Weltoffenheit findet sich im Internetzeitalter manchmal in kleinen Gesten. Bannwarth-Pabst ist davon nicht überrascht. Sie sagt: "Die Integration von Geflüchteten funktioniert in meiner Umgebung eigentlich reibungsarm."

Montag, 14. August 2017

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