Digitale Agenda

Struktur- und Investitionsfonds

EU treibt Digitalisierung voran

Die Europäische Union fördert in Deutschland mehrere spannende Projekte zur Digitalisierung. Die Vorhaben können den Alltag der Bürgerinnen und Bürger entscheidend verbessern - von Telemedizin bis hin zu neuer Mobilität.

Ein Arzt überwacht eine Behandlung am Bildschirm. Telemedizin ist eine Chance gerade für ländliche Regionen - hier eine neurologische Konsultation. Foto: BSIP/UIG via Getty Images

Weniger Staus, ein Hausarztbesuch via Bildschirm, das smarte Zuhause: Die Digitalisierung bietet viele Möglichkeiten, das Leben zu vereinfachen. Die Europäische Union leistet hier ihren Beitrag und unterstützt erfolgversprechende Vorhaben. Sechs hoffnungsvolle Projekte in Deutschland im Einzelnen.

Ambulante Überwachung für zu Hause

Ärztemangel, längere Wartezeiten, wenige Spezialzentren: Im ländlichen Raum könnte die Versorgung von Menschen mit Herz-Kreislauf-Krankheiten verbessert werden. "Physiogate" macht Hoffnung: Der kleine Apparat sendet Daten medizinischer Geräte sicher verschlüsselt an die Patientenakte. Medizinische Fachkräfte können die zuhause ermittelten EKG-, Blutdruck- oder Blutzuckerwerte dann in einem telemedizinischen Zentrum überprüfen – und bei Bedarf eingreifen. Die Europäische Union fördert dieses Projekt mit 1,8 Millionen Euro (Stand: März 2017) aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

Länger in den eigenen vier Wänden - dank Smarthome

Ein Audiosystem warnt, wenn die Herdplatte nicht ausgeschaltet wurde. Ist der Wäschekorb voll, wird der Wäscheservice benachrichtigt und der intelligente Fußboden registriert Stürze: In einer Musterwohnung in Hamburg wird erforscht, wie Menschen bis ins hohe Alter selbstständig leben können. Angesichts der alternden Gesellschaft eine bedeutsames Forschungsfeld. Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung fördert das Projekt mit 467.000 Euro (Stand: März 2017).

Die Besonderheit des Projekts liegt in der Vernetzung: Dienstleistungen wie der Wäscheservice werden mit Smarthome-Technologien – beispielsweise dem Herdplatten-Warnsystem – und alltagsunterstützenden Systemen kombiniert. Einige Senioren haben schon zur Probe gewohnt. Viele Innovationen überzeugten sie, manchmal fiel ihnen die Bedienung der Technik jedoch schwer. Die Forscher haben das in die Entwicklung aufgenommen.

Roboter für Asbestsanierung

Wird in einem Gebäude Asbest festgestellt, muss der krebserregende Stoff aufwendig entfernt werden. Wichtig: Die Sanierer sollten Anzüge und Masken tragen, um ihre Gesundheit zu schützen. Diese Ausrüstung kostet Geld, außerdem bleibt immer ein gewisses Risiko für die Arbeiter bestehen.

Die Idee des Bots2Rec-Projekts der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen ist deshalb, in gefährlichen Umgebungen Roboter einzusetzen. Experten könnten sie programmieren, kontrollieren und fernbedienen. Das Projekt unterstützt die Europäische Union im Rahmenprogramm für Innovation und Forschung "Horizont 2020". Zusammen mit einem anderen Projekt der RWTH Aachen, bei dem es um die Zersetzung von Plastikmüll geht, bekommt das Vorhaben elf Millionen Euro von der Europäischen Union.

Bakterien als Konstrukteure

Im Projekt "P4SB" der RWTH Aachen zersetzen Bakterien minderwertigen Plastikmüll, um daraus hochwertiges Bioplastik herzustellen. Das Vorhaben kann die Plastikproduktion in der Welt senken, zudem wirkt es gegen Umweltverschmutzung. Die Bakterien zersetzen sogenanntes Etylenglycol – das "E" in den PET-Flaschen.

Anwendungsplattform Intelligente Mobilität

Eine rote Ampel: Autos bremsen ab, kommen zum Stehen. Einige Sekunden später – grünes Licht: Die Autos fahren an, der Stau löst sich auf. Doch nur wenige Meter weiter wieder eine rote Ampel, die die Autofahrer zum Anhalten zwingt. Eine Situation, die den Verkehrsfluss behindert und vielen deutschen Verkehrsteilnehmern die Nerven raubt.

Im Institut für Verkehrssystemtechnik des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums wird an intelligenter Mobilität geforscht. Die Mitarbeiter beschäftigen sich nicht nur mit Ampeln, sondern decken das gesamte Spektrum der Verkehrsforschung ab. Ziel ist es, den Straßenverkehr sicherer, effizienter und ressourcenschonender zu gestalten. Das wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung mit 5.250.000 Euro (Stand: März 2017) unterstützt. Als Forschungslabor dient Braunschweig. Dort gibt es zum Beispiel eine Kreuzung und einen Bahnübergang, die mit Sensorsystemen ausgerüstet sind.

Innovationszentrum Moderne Industrie Brandenburg

In der modernen Industrie vernetzen sich Mensch, Maschine und IT zunehmend. Viele große Unternehmen haben inzwischen Tätigkeiten automatisiert oder assistieren ihre Mitarbeiter durch Maschinen. Aber auch immer mehr kleine und mittlere Unternehmen müssen sich mit moderner Industrie auseinandersetzen.

Das "Innovationszentrum Moderne Industrie Brandenburg" dient diesen Betrieben als Anlaufstelle: Im Innovationslabor können Unternehmen ihr Innovationspotenzial bestimmen lassen und Unterstützung für konkrete Projekte bekommen. Sie profitieren von Vorträgen und Workshops im Wissensforum und dürfen sich in der Modellfabrik über Referenzprojekte informieren. Da das Innovationszentrum mit 2,6 Millionen Euro (Stand: März 2017) durch den Europäischen Fond für regionale Entwicklung gefördert wird, sind alle Leistungen kostenlos.

Wichtige Geldquelle für Forschung und Entwicklung ist der Europäischen Struktur- und Investitionsfonds (sogenannter ESI-Fonds). Unter seinem Dach sind fünf verschiedene Sparten gefasst, unter anderem der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und der Europäische Sozialfonds (ESF). Neben dem Ausbau und der Förderung der Digitalisierung ist das Ziel des Fonds, wirtschaftliche und soziale Unterschiede zwischen den Regionen zu verringern.

Donnerstag, 1. Februar 2018