Digitale Agenda

Arbeit in der digitalen Welt gestalten

Die fortschreitende Digitalisierung schafft neue Tätigkeitsfelder und bietet Chancen für Beschäftigung. Sie ermöglicht Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern flexiblere und familienfreundlichere Arbeitsformen. Dies kann positive Auswirkungen auf die Sicherung von Fachkräften, aber auch auf Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge haben.

Gleichzeitig führt die Digitalisierung zu neuen Herausforderungen, unter anderem mit Blick auf die Ausgestaltung von neuen Arbeitsformen und -modellen. Auch sind mögliche Auswirkungen der Digitalisierung auf die betriebliche Mitbestimmung in den Blick zu nehmen. Ebenso sind deutliche Impulse für die Entwicklung der Beschäftigung zu erwarten.

Die Bundesregierung wird diese Fragen gemeinsam mit Sozialpartnern und Wissenschaft aufarbeiten und diskutieren, um Chancen und Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt fundiert und umfassend beurteilen und erforderlichenfalls angehen zu können. Wir wollen gute digitale Arbeit, die sicher und gesund ist und sich positiv auf die Beschäftigungsfähigkeit auswirkt.

Die Qualifizierung von Beschäftigten und Arbeitssuchenden muss an die Anforderungen der Digitalisierung, wie beispielsweise immer kürzere Entwicklungszyklen, angepasst werden. Fachkräfte sind eine wichtige Grundlage für Wachstum, Innovation und Wohlstand. Der demografische Wandel berührt unmittelbar das Arbeitskräfteangebot und damit die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ebenso wie die der Sozialsysteme. Bis 2030 droht in Deutschland ein Rückgang der Zahl der Erwerbspersonen in Millionenhöhe. Gerade in der IT-Branche sind bereits heute Engpässe spürbar. Hiervon sind insbesondere kleine und mittlere Unternehmen betroffen.

Wir wollen die Chancen digital unterstützter, örtlich und zeitlich flexibler Arbeitsformen für die Stärkung der partnerschaftlichen Vereinbarkeit von Familie und Beruf nutzen. Dafür werden wir gemeinsam mit Sozialpartnern und Wissenschaft eine fundierte Beurteilung der aktuellen Situation vornehmen und prüfen, ob die politischen Rahmenbedingungen für das Ziel, mehr Familien eine bessere Vereinbarkeit zu ermöglichen, noch geeignet sind und welcher weitere Forschungs- und Handlungsbedarf besteht.

Wir wollen, dass der Arbeits- und Gesundheitsschutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch bei neuen Formen der Arbeitsorganisation wie "Crowd Working" oder neuen Arbeitszeitregelungen auf hohem Niveau gewährleistet ist.

Wir wollen zukunftsfeste soziale Systeme in einer digitalen Arbeitswelt. Deshalb wollen wir wissen, wie sich in der digitalen Arbeitswelt die Arbeitskräftenachfrage entwickelt und welche Auswirkungen sich für die sozialen Sicherungssysteme daraus ergeben können.

Wir werden eine moderne Aus- und Weiterbildung sowie berufliche Qualifizierung und den Aufbau digitaler Kompetenzen als Schlüsselqualifikation für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weiter vorantreiben. Dabei wollen wir uns auch dafür einsetzen, in Unterstützungsangeboten zur beruflichen Eingliederung junger Menschen, Förderung und Entwicklung digitaler Medienkompetenzen als Querschnittsaufgabe weiter zu stärken und stets auf dem aktuellen Stand der Technik zu halten.

Das Arbeiten in der digitalen Welt stellt Unternehmen, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor besondere Herausforderungen bei der Anpassungsqualifizierung. Die Arbeitsförderung kann dabei Unterstützung im Rahmen der bestehenden gesetzlichen Möglichkeiten bieten.

Wir wollen die von der Digitalisierung betroffenen Berufsbilder wo erforderlich – u.a. in den IT-Berufen – an die neuen Anforderungen einer vernetzen Arbeitswelt, in der zunehmend branchenübergreifend gearbeitet wird, anpassen und so künftige Fachkräfteengpässe vermeiden. In diesem Sinne werben wir ebenfalls für die Verzahnung von IT- und Ingenieurstudiengängen. Dazu gehört auch die Beachtung der Anforderungen neuer Technologien in Berufsmodernisierungsverfahren.

Gleichzeitig setzen wir uns für eine stärkere Willkommenskultur von IT-Fachkräften aus dem Ausland in Deutschland ein. Hierzu gilt es nun, das Anerkennungsgesetz, das die Möglichkeiten der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse verbessert, weiter umzusetzen.

Kommentare

  1. Nostromo 21.07.2015 03:46
    "Wir wollen wissen, wie sich in der digitalen Arbeitswelt die Arbeitskräftenachfrage entwickelt"
    Die Antwort hierauf sollten vor allem VON UNTEN gesucht werden: Von tatkräftigen Arbeitnehmervertretungen nicht nur in den Konzernen, sondern vor allem auch in den kleineren Firmen- indem sich Betriebsräte und vor allem auch deren Wirtschaftsausschüsse sich ans Management hängen und nachbohren, wohin die digitale Reise der Unternehmen gehen. Vermutlich letztlich da zusammenführend: Die Firmenleitungen wissen beim raschen und oft disruptiven Wandel ja auch meist nicht, wo abzubiegen ist, denn viele Geschäftsmodelle werden rasch den Bach runtergehen. So sind - um mal etwas aus der alten Kiste zu holen- Nixdorf und Grundigs Geister überall. Positiv bei alledem: Zumindest in Deutschland sind für dieses Handeln einige ordentliche Werkzeuge aus dem Betriebsverfassungsgesetz da; man muß sie aber in obigem Sinne schnell und entschlossen nutzen. Aber was schaufelt TTIP uns allen da noch mal an zusätzlichen "Veränderungsschmerzen" ins Haus? Dazu hört man bisher wenig, aber sicher haben sowohl Wirtschafts- wie auch Arbeitsministerium das mal für sich und vielleicht uns abgeklopft ?
  2. Christoph Theis 13.03.2015 17:02
    Gestaltungsaufgabe des Gesetzgebers
    Die digitale Arbeitswelt entwickelt sich schnell und exponentiell. Die Digitalisierung und Automatisierung von Tätigkeiten, welche bisher von Menschen ausgeführt wurden, nehmen rasante Fahrt auf. Zunehmend werden komplexere Aufgaben von Maschinen erledigt. Welche steuernden Funktionen des Staates müssen implementiert werden, um ein soziales Gleichgewicht (noch) zu erhalten? Soll es eine regulierende Steuer für eine zunehmend automatisierte Wertschöpfung geben? Ich denke, die Gestaltung der Gesellschaft und Arbeitswelt sollte nicht durch die Internet-Konzerne diktiert, sondern über staatliche Rahmenbedingungen gefördert, aber auch gesteuert werden. Dies wird für die politischen Institutionen eine große Herausforderung, insbesondere weil hier langfristig wirksame Entscheidungen erforderlich sind.
    1. Die Redaktion Digitale Agenda 24.03.2015 08:32
      Die Arbeitswelt wird sich in der Zukunft wandeln. Nicht nur durch den technologischen Fortschritt, sondern auch durch veränderte Ansprüche an Arbeit und einen Wertewandel. Wir stehen am Anfang von Veränderungen, die evolutionär erfolgen werden, nicht revolutionär. Daher kann und sollte dieser Wandel auch mitgestaltet werden. Insbesondere die angesprochenen Institutionen der sozialen Marktwirtschaft spielen bei der Gestaltung der zukünftigen Arbeitswelt eine wichtige Rolle. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales wird mit einer Auftaktveranstaltung am 22. April 2015 einen Dialogprozess mit Wissenschaftlern, Praktikern, Sozialpartnern und der Zivilgesellschaft über die Zukunft der Arbeit starten. Dort werden die von Ihnen genannten zentralen Themen aufgearbeitet. Die Ergebnisse und Handlungsansätze werden anschließend öffentlich diskutiert.
  3. janawelikaja 22.08.2014 21:55
    Ich will nicht mit dem Blackberry in der Hand stillen. Oder neben meinem Kind in der S-Bahn schnell mal die Präsentation durchgehen. Oder am Abend mit meinem Mann in getrennten Zimmern sitzen, weil jeder am Rechner klebt. Vor allem will ich nicht, dass jemand auf die Idee kommt, dass man das mit Kind und Beruf schon hinbekommt, wenn man sich nur die Zeit selber und freier einteilen kann.